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Fragile Nature

06.11.2010 - 18.12.2010

Miks Mitrevics

Der 1980 in Riga geborene Künstler Miks Mitrevics arbeitet hauptsächlich installativ. Seine Installationen, für die er gefundene Materialien und Alltagsgegenstände verwendet, die häufig fragil und skizzenhaft scheinen. Aus Landschaftsfragmenten, Plastikfiguren, technischen Geräten und natürlichen Phänomenen entstehen Modellwelten, die wie experimentelle Laborsituationen wirken und für die jeweilige räumliche Situation adaptiert werden. Dabei ist seine künstlerische Strategie nicht etwa im verkleinerten Maßstab die Realität zu kopieren oder zu kommentieren, es werden vielmehr subjektive Erlebnisse und individuelle Emotionen verarbeitet.
Miks Mitrevics nennt die einzelnen Elemente seiner Inszenierungen phantom/model. Es handelt sich also um eine Mischung aus unwirklicher Erscheinung und nachgebildeter Realität. Ist das nicht auch die Struktur von Erinnerungen? (vgl. Text zur Ausstellung „update – Die Welt als Modell, Montagstiftung Bonn, montag-stiftungen.com/update-weltalsmodell-mitrevics/)
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Miks Mitrevics, Installation Far away
Im Arbeitsprozess entwickeln sich veränderbare temporäre Bilder und Landschaften mit offener Bedeutung. Die Installationen sind Bühnen für Erfahrungen und Erinnerungen, die versuchen einen Moment, einen Gedanken festzuhalten. Die teilnehmenden Charaktere sind Beobachter der Welt und des Jetzt.
„Zufälligkeit, Wahrscheinlichkeit und Annäherung sind die bevorzugten Sujets im Schaffen von Miks Mitrevics. Offene Erzählungen fungieren als fertige und verfügbare Instrumente – eine Kombination aus Enthüllung, Interaktion und unmittelbarem Zusammenhang [..].“ (Adam Budak, Text zur Manifesta 7)
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Ausstellungsansicht Foto: Miks Mitrevics
In der Einzelausstellung in der Stadtturmgalerie zeigt der Miks Mitrevics in adaptierter Form die raumgreifenden Mixed-Media-Installationen „Fragile Nature“. In den Installationen thematisiert er Natur nicht als zu verhandelnde Größe, sondern als unmittelbare, physisch erlebte Erfahrung. (vgl. „Evelina Deicmane, Miks Mitrevics – Fragile Nature”, in Kunstforum International Bd.1998, 2009)
Die inszenierten Szenerien im Miniaturformat waren auch 2009 als lettischer Beitrag auf der Biennale von Venedig zu sehen und werden nun gemeinsam mit der Arbeit „Path“, die 2006 während seines Aufenthaltes als Fellow im Künstlerhaus Büchsenhausen entstanden ist, gezeigt.
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Ausstellungsansicht Foto: Miks Mitrevics
„Fragile Nature“ besteht aus mehreren Objekten, die wie Titel einer Erzählung klingen und in Interaktion miteinander treten: „A Room Flooded with Sunlight", „Gazing up at the Sky“, „Far Away“,„Foehn", „Straight Infinity" und„Wind Sock". Sonne und Luft sind substanzielle Bestandteile der Installationen. In den Arbeiten spielt immer wieder die eigene Person und Identität eine Rolle. Bei einigen Installationen sind auch Geräusche auszumachen, die sich im Raum zu einer Soundcollage vermischen. Durch verschiedene Strategien verändern sich die einzelnen Szenerien und interagieren und kommunizieren mit den BesucherInnen. Der Künstler spielt mit poetischen Stimmungen, Emotionen aber auch mit Momenten der Überraschung in seinen Installationen. Die reduzierte Sprache lässt dabei genug Platz für eigene Assoziationen und Erinnerungen.
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Ausstellungsansicht Foto: Miks Mitrevics
Bei der Installation „A Room Flooded with Sunlight“ im vorderen Raum steht die Sonne im Mittelpunkt. Mit Hilfe einer künstlichen „Sonne“ (Scheinwerfer), die auf ein Solar Panel trifft, wird Energie erzeugt, dass verschiedene Vorrichtungen antreibt. Ausgangspunkt dieser inszenierten Bühne, war die Erinnerung an einen Raum, der vom Sonnelicht geflutet wird. Die Reflexionen an der Wand wurden nur durch eine Wolke für einen kurzen Moment unterbrochen..
Bei der Installation „Straight Infinity“ steht die Frage im Mittelpunkt ob es denn kein klareres Statement gibt als einen klaren Horizont?
Bei der Installation „Foehn“ erzeugt ein Haarföhn warmen Luftstrom. Auf einem Zweig aufgehängte Haare werden dadurch sanft bewegt. Beim Titel geht es nicht so sehr um die Verwendung des Alltagsgegenstandes, sondern darum, dass in einigen Sprachen warmer Wind als Föhn bezeichnet wird. Wind der an einem warmen Sommertag durch sonnengebleichtes Haar weht wird hier versucht nachzuempfinden.
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Ausstellungsansicht Foto: Miks Mitrevics
„Path“ ist eine Video- und Fotoarbeit, die 2008 auf der Manifesta 7 in Rovereto zu sehen war. Ausgangspunkt ist der Berg, an dessen Fuße sich das Künstlerhaus befindet. Eines Tages begann er kleine Videosequenzen von sich selbst beim Besteigen des Berges zu filmen. In einer filmischen Beschreibung dokumentiert er den Aufstieg auf die Nordkette, der sich fast zweit Monate hinzieht und immer wieder dort beginnt, wo er am Vortag umgekehrt ist um schließlich den Gipfel zu erreichen.

In der Ausstellung regt Miks Mitrevics durch unterschiedliche räumliche Strategien und Manöver dazu an sich Zeit zu nehmen, sich überraschen zu lassen und besonders dem Einfachen Aufmerksamkeit zu schenken.

Eröffnung: 05.11.2010 um 20.00 im Rahmen der Permierentage 2010