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Die persönliche Meinung als öffentliche Erscheinung

18.03.2010 - 08.05.2010

Ein Projekt des Department für öffentliche Erscheinungen (Peter Boerboom, Gabriele Obermaier, Carola Vogt und Silke Witzsch)

Die persönliche Meinung als öffentliche Erscheinung ist der Titel des Projekts des Department für öffentliche Erscheinungen - Peter Boerboom, Gabriele Obermaier, Carola Vogt und Silke Witzsch. Seit seiner Gründung 1995 tritt es mit gemeinsam entwickelten Kunstprojekten, -produkten und –prozessen an die Öffentlichkeit. Phänomene des öffentlichen urbanen Lebens und verschiedene Formen heutiger Kommunikation bilden den Ausgangspunkt für die Arbeiten und Projekte der Münchner KünstlerInnengruppe. Dabei wird das Vokabular dem jeweiligen System angepasst. Es umfasst die Aneignung der Agitationsformen von Bürgerinitiativen, das Vorgehen eines Meinungsforschungsinstituts oder etwa die Übernahme von Rollen im Kunstbetrieb. Mit vielen Aktionen reagiert die KünstlerInnengruppe auf das Bedürfnis mitzubestimmen, das ihrer Meinung nach zwar in den letzten Jahren immer stärker geworden ist, aber die Wahlbeteiligung und der Wille einer Einflussnahme der BürgerInnen auf Entscheidungsprozesse merklich zurückgegangen ist. Die Grundidee demokratischer Mitbestimmungsprozesse wird durch den inflationären Einsatz in den Massenmedien aufgeweicht und fragwürdig. Nicht zuletzt das vielfältige Angebot von Mitbestimmungsmöglichkeiten in Fernsehen und Hörfunk, in Zeitschriften und im Internet, in Fußgängerzonen oder Einkaufscentern, in Interviews, per Mausklick, Telefon oder SMS, bei denen ZuschauerInnen und LeserInnen ihren Superstar, ihren Lieblingsbiergarten, ihr Eis oder Tor des Monats wählen, unterläuft durch seine Beliebigkeit die Idee der freien Meinungsäußerung als Grundrecht demokratischer Gesellschaften.
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easyVote Station Innsbruck, Foto: Department für öffentliche Erscheinungen
„White Cube““ ist die Bühne für die Aktionen des Department. Er wird zu einem Ort des temporären gesellschaftspolitischen Aktivismus in dem es um Auseinandersetzung mit Inhalten und Mitbestimmung geht. (Heinz Schütz, Department für öffentliche Erscheinungen, 2003, S. 18)
Das Interesse den öffentlichen Stadtraum als Experimentier- und Gestaltungsraum für künstlerische Projekte zu nutzen ist groß, wobei wie Sanja Brandt schreibt: „…das momentane Hauptinteresse der künstlerischen Interventionen scheint nicht mehr das Agieren mit bestehenden Materialien zu sein und Spuren durch konkrete Veränderungen hinterlassen zu wollen. Vielmehr wird die Stadt als Gesamtraum bespielt, die Permanenz weicht der Temporalität. Das starre Verhältnis zwischen Objekt und Betrachter ist aufgehoben.“ (Sanja Brandt, art Das Kunstmagazin, März 2010)
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easyVote Station Innsbruck Foto: Department für öffentliche Erscheinungen
Das Department für öffentliche Erscheinungen hat für Innsbruck ein Ausstellungskonzept entwickelt, das sowohl den städtischen Außenraum als auch die Stadtturmgalerie bespielt. Zur Eröffnung der Ausstellung installiert das Department eine temporäre easyVote-Station in der Innsbrucker Altstadt, welche die Öffentlichkeit zu einem aktuellen und gesellschaftlich relevanten Thema befragt: „Gefährdet eine öffentliche Debatte über die negativen Auswirkungen des Tourismus einen möglichen Aufschwung?“
easyVote besteht aus einem dreispurigen Durchgang, dem die Antworten »Ja«, »Nein« oder »Egal« zugeordnet sind. Die PassantInnen werden aufgefordert, sich für eine Spur zu entscheiden und mit dem Durchschreiten ihre Stimmen zählen zu lassen. easyVote ist auf der einen Seite ein praktisches, multifunktionales, flexibel einsetzbares Instrumentarium für die Meinungserfassung. Auf der anderen Seite ist easyVote eine Intervention im öffentlichen Raum, mit der die Bedingungen des Ortes und des darin agierenden Publikums untersucht werden. Mittels easyVote werden die PassantInnen zu TeilnehmerInnen eines öffentlichen, gemeinschaftlichen Handelns. Sie werden sichtbar in dem Augenblick, in dem sie für ihre Meinung eintreten. Durch den Prozess des Durchschreitens wird die Installation zu einer temporären Bühne im öffentlichen Raum.
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easyVote Station Innsbruck Foto: Department für öffentliche Erscheinungen
Die Ergebnisse und Beobachtungen aus der easyVote-Aktion im öffentlichen Raum werden in der Galerie präsentiert. Zur Ergänzung der individuellen Entscheidung können die Kommentare mit Hilfe von Aufklebern in der Galerie sichtbar gemacht werden. Mit dem Ausfüllen der Aufkleber können die BesucherInnen der Ausstellung nach dem Abbau der easy Vote-Station weiterhin Stellung nehmen.
In der Galerie werden zudem weitere partizipatorische Projekte vorgestellt, in denen die persönliche Meinung innerhalb der künstlerischen Intervention des Department zu einer öffentlichen Erscheinung wird. Dabei handelt es sich nicht um eine foto-dokumentarische Präsentation der Projekte easyVote (München 2005, Berlin 2006, Usti nad Labem 2006) und Die persönliche Meinung als öffentliche Erscheinung (Berlin 2007, Linz 2009), sondern um Inszenierungen mit Installationen aus Objekten, Texten, Fotografien und Videos, die ein Erleben der Aktionen mit all seinen Reaktionen und Veränderungen ermöglichen.
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Ausstellungsansicht Foto: Department für öffentliche Erscheinungen
„Eine zentrale künstlerische Strategie, mit der sich das Department für öffentliche Erscheinungen die Rhetorik des öffentlichen Raumes spielerisch aneignet, kann als Hyperaffirmation bezeichnet werden (…) (die) durch die Vehemenz der Bejahung ein Moment von Ironie und Uneigentlichkeit produziert. Die Hyperaffirmationen des Department können zu Irritationen führen, sie können aber auch unerwartet konstruktive Möglichkeiten eröffnen, wobei das Oszillieren zwischen Ernst und Spaß, zwischen Kritik und Konstruktion im Idealfall Verhärtetes aufweicht.“ (Heinz Schütz, Department für öffentliche Erscheinungen, 2003, S. 20)
Eröffnung: Mittwoch, 17. März 2010 um 19.00
Im Außenraum: easyVote Station, Abstimmen in der Öffentlichkeit ab 17. März 2010, 16.00 Uhr, 18. – 20. März 2010 zu den Galerieöffnungszeiten.