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A Voice From On High

17.09.2009 - 07.11.2009

Peter Sauerer

Der 1958 in München geborene Bildhauer Peter Sauerer bündelt in seinen aktuellen Arbeiten, meist aus Holz geschnitzte Miniaturen, eine Vielzahl sehr verschiedener Lesarten und Erscheinungsformen. Real existierende Personen, historische Ereignisse, Gebäude oder Szenen aus dem täglichen Leben sind seine Sujets. Bilder aus dem kollektiven Gedächtnis, als auch aus der subjektiven Erfahrung finden dabei Einzug in seine künstlerische Welt. Wie Andreas Bee im Ausstellungskatalog „Modellstück“ schreibt, nimmt sich Peter Sauerer all jene Dinge gründlich vor denen es gelingt seine Aufmerksamkeit zu binden. Die daraus entstehenden kleinformatigen Skulpturen sind Bestandsaufnahmen, Beschreibungen und Kommentare zu unserer Gesellschaft ohne dabei moralisch sein zu wollen. Als Vorlage dienen ihm Modelle oder Fotografien, die er verblüffend detailliert in Holz umsetzt. Mögen seine Arbeiten auf den ersten Blick oft als gut gemachte, naiv kindliche Nachbauten verschiedener Begebenheiten, Situationen und Architekturen erscheinen, so entpuppen sie sich bei näherer Betrachtung als mit Inhalten aufgeladene Umsetzungen von Bildern in Miniaturen. Die persönliche Auseinandersetzung mit Themen und Ereignissen steht dabei im Mittelpunkt.
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1966’s TV Batmobile, 2007, Foto: Harald Fersch, München
In einem Werkkomplex setzt er historische Momentaufnahmen in einem Korso von berühmten Automodellen um. Aus Holz geschnitzt, anschließend zersägt und mit Schnüren zusammengesetzt, sind diese Gefährte mit Gestalten aus Politik und Weltgeschehen, aber auch mit Figuren aus der filmischen und zeichnerischen Fiktion besetzt. An seiner Autoparade nehmen unter anderem der ermordete Hans Martin Schleyer im Kofferraum (Audi 100, „Hans Martin Schleyer“, 1977), Adolf Hitler im offenen Mercedes (Mercedes Benz 770 K, „Führer Parade Car I“), ebenso wie Diana und Dodi Al-Fayed auf der Fahrt in den Tod (Mercedes S280, „Princess Diana in Paris“, 1997) aber auch das Batmobile (1966´s TV Batmobile) teil.
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Mercedes S 280 „Princess Diana in Paris 1997“, 2007, Foto: Harald Fersch, München
In einer Vitrine zeigt er eine Serie von aus Holz geschnitzten Pistolen, in der ebenfalls jede für sich bedeutsam ist. mit dem Titel „Don´t take your guns to town“. Peter Sauerers Interesse an Revolvern hat schon früh begonnen, wobei er dabei nicht so sehr von Feuerwaffen an sich fasziniert ist, sondern vielmehr von der ihnen anhaftenden Suggestionskraft. In der Vitrine findet sich etwa eine Walther PPK/S, mit der sich Adolf Hitler erschoss und deren spätere Modelle als Dienstwaffe vieler Leinwandagenten wie etwa James Bond verwendet wurden. Die Kette im hinteren Galerieraum bietet für die gezeigten Revolver die Munition, aus Holz geschnitzte Patronen passend für die verschiedenen Kaliber.
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Walther PPK/S, 2009 Foto: Harald Fersch, München
Zum ersten Mal zeigt Peter Sauerer die Arbeit „A Voice from On High“, die auch titelgebend für die Ausstellung in der Stadtturmgalerie ist. Inspiriert von Bildern aus Westernfilmen und dem Mythos des amerikanischen Goldrauschs, der eng verknüpft mit der Entwicklung der Dampflokomotiven ist, hat der Künstler eine Eisenbahn installiert. Erstmals verwendet er neben der bildlichen auch eine musikalische Ebene. Die Musik stammt von Haden Family von der Platte Rambling Boy.
In der Ausstellung ist zudem eine Arbeit zu sehen, aus der ebenfalls Musik zu hören ist, von Lars Hollmer mit dem Titel Viandra. Ein altes Pumpsklo stand für die „Psychosomatische Skulptur“ Modell, und lässt vielfältige Interpretationsmöglichkeiten offen.
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Psychosomatische Skulptur, 2009, Foto: Harald Fersch, München
Eine weitere Serie zeigt Tüten, die aus der Ferne betrachtet vielleicht irritieren, da nur hellbraune Backpapierbalken zu sehen sind, und erst beim Hineinschauen die eigentliche Arbeit sichtbar wird. Die Werke werden nicht wie üblich auf einen Sockel gestellt, sondern fast im Gegenteil geradezu „versteckt“. Bei näherer Betrachtung sind in diesen Tüten zum Beispiel aus der Google-Earth Perspektive betrachtete Orte auszumachen, die mit den jeweiligen Koordinaten betitelt sind. „Muster“ und„Meine kleine Farm“ sind ebenfalls in den Tüten zu entdecken. Außerdem zeigt er noch kleine Figuren mit den Titeln „Nothelfer“ und „Pfingsten“.
Eine Ausstellung von Peter Sauerer ist wie das Öffnen eines Bilderbuchs, das Einblicke in seine oftmals ambivalente Sicht auf die Dinge und die Welt gewährt, und die BetrachterInnen in eine ganz bestimmte Atmosphäre eintauchen lässt. Sie werden nicht zuletzt durch die Kleinteiligkeit und den Detailreichtum eingeladen näher hinzuschauen und eigene Geschichten im Kopf entstehen zu lassen.


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Lange Nacht der Museen Samstag, 03. Oktober 2008 von 18.00 – 01.00
AKTIONISTISCHE MINIATUREN - Performances von Tom Zabel
(19.00, 20.00, 21.00, und 22.00 Uhr, jeweils 15 min) http://www.tom-zabel.com

Premierentage 2009 Samstag, 07. Oktober 2009 um 16.30: Finissage und Künstlergespräch
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