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Wo bitte geht´s zum Vorstand?

25.03.2009 - 09.05.2009

Sezession Wichtelgasse

Seit 2006 betreiben die KünstlerInnen Kerstin von Gabain (geb. 1979, Palo Alto) und Johann Neumeister (geb. 1976, Wien) einen Ausstellungsraum im 16. Bezirk von Wien. Aus einer leerstehenden, gelb ausgemalten Lagerhalle in der Wichtelgasse wurden nicht nur ein Atelier, sondern auch ein Ausstellungsraum der anderen zur Verfügung gestellt wird, die Sezession Wichtelgasse. (www.sezessionwichtelgasse.net)
Mit der Ausstellung „Wo bitte geht´s zum Vorstand?“ in der Stadtturmgalerie ist die Sezession Wichtelgasse zu Gast bei der Tiroler Künstlerschaft. Dabei stehen sowohl eine Dokumentation der bisherigen Ausstellungstätigkeit der Sezession Wichtelgasse, als auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle und Funktion von Künstlerkollektiven bzw. Künstlervereinigungen im Mittelpunkt. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf die Organisationsstruktur vieler etablierter Kunsträume, wie auch der Tiroler Künstlerschaft.
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Foto: Sezession Wichtelgasse
Ein Teil der Galerie wurde mit derselben gelben Wandfarbe wie die Sezession Wichtelgasse ausgemalt. Dieser Anstrich (ohne Titel, 2009) dient als Hintergrund für eine Beschäftigung mit Institutionen, kann aber auch als Inszenierung des Ausstellungsraumes oder als Hinterfragung des White Cube als optimale Ausgangssituation verstanden werden.
Aus der Beschäftigung mit Künstlervereinigungen und deren Organisationsstrukturen ist ein Video (ohne Titel, 2009) von einer Vorstandssitzung der Sezession Wichtelgasse entstanden, das in der Ausstellung zu sehen ist - eine Sitzung für einen fiktiven Verein, der gar nicht existiert, deren Teilnehmer die inszenierte Sitzung aber sehr ernst nehmen. Das Video wird ohne Ton präsentiert und so entsteht ein abstraktes Bild einer Vorstandsitzung, offen für Interpretationen.
Der Ausstellungskatalog (zu jede Ausstellung in der Wichtelgasse wird ein A5 s/w Katalog produziert) beinhaltet die Transkription der Dialoge der im Video gezeigten Sitzung. Die Diskussionen bewegen sich zwischen Ernsthaftigkeit und Gespieltem. Die Themen reichen von baulichen Maßnahmen, über die budgetäre Situation oder Hausverbot, bis hin zu persönlichen Befindlichkeiten. Ob echt oder nur inszeniert, die Themen und Auseinandersetzungen erscheinen nur zu real.
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Foto: Tiroler Künstlerschaft
Die Wand im länglichen Raum wird als Display für einen Überblick über die bisherige Ausstellungstätigkeit der Sezession Wichtelgasse genutzt. Auf einer Magnettafel sind Exemplare aller bisherigen Kataloge befestigt und stehen den BesucherInnen zur Ansicht zur Verfügung.
Der oft mühselige Weg zum Vorstand wird bildlich in Form eines Posters dargestellt. Auf der Schauwand zum Innenhof zeigt das Plakat das Foto eines Fackelträgers der Olympischen Spiele 1964 in Innsbruck, der eine steile Treppe erklimmt.
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Foto: Sezession Wichtelgasse
Der Name Sezession Wichtelgasse verweist auf die architektonische Ähnlichkeit der Wichtelgasse zum Hauptraum der Wiener Secession, kann aber auch als Aneignung oder Kritik der Institution an sich verstanden werden. Der bewusste Verzicht auf eine Vereinsstruktur bedeutet eine andere Ausgangssituation was auch das Budget betrifft, da speziell um öffentliche Gelder nur innerhalb bestimmter organisatorischer Strukturen angesucht werden kann. Gleichzeitig ermöglicht dies aber auch eine gewisse Art von Freiheit und Spontaneität. In den vier Ausstellungen pro Jahr steht der Gedanke von „Do it yourself“ im Vordergrund, wobei die Produktion und das Ausloten von Möglichkeiten mit minimalen finanziellen Ressourcen immer wieder zu spannenden Herausforderungen führen. Die gezeigten Ausstellungen können somit Institutionen aufzeigen, dass eine qualitätvolle Arbeit auch in dieser Form möglich ist. Selbstproduzierte Ausstellungskataloge im Stile von Fanzines stehen ganz im Zeichen des „DIY“ Gedankens. Gerade die offene bzw. nicht vorhandene Organisationsstruktur im Sinne klassischer Ausstellungsräume soll Freiräume für eine Kunst außerhalb der gängigen Herangehensweisen schaffen. Die kuratorische Arbeit wird dabei als Teil der eigenen künstlerischen Praxis gesehen. Wobei die Frage, ob die Sezession Wichtelgasse als eine Künstlergruppe, ein Ausstellungsraum oder ein Kunstprojekt verstanden werden soll, unbeantwortet bleibt.