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An der Grenze (Thoreau's neighbourhood)

25.09.2008 - 15.11.2008

Armin Klein

Im Zentrum der Ausstellung des in Wien lebenden Osttiroler Künstlers stehen Fotografien einer vorgefundenen, außergewöhnlichen „Hüttenarchitektur“ - versteckt in den Auwäldern des Dreiländerecks Slowakei, Tschechien und Österreich. Hier an der Grenze, nur 50 km Luftlinie entfernt von der österreichischen Bundeshauptstadt, gibt es Beispiele einer Bauweise ohne Bauordnung, Architekten und Stadtplanung, die wegen ihrer Kühnheit und des radikalen Pragmatismus überraschen.
Die östliche Grenze folgt dem Lauf der March (tschechisch und slowakisch Morava), die bis Ende 2007 Schengen-Außengrenze war. An beiden Ufern der March/Morava haben Österreicher und Slowaken in dem ausladenden Auwaldgürtel und den Überschwemmungszonen mit Dammbauten über Jahrzehnte simple Häuser abseits architektonischer und ästhetischer Normen errichtet. Vom Land her fast unzugänglich sind diese Hütten am Fluss kaum aufzuspüren, eine umfassende Besichtigung ist nur unter expeditionsähnlichen Bedingungen möglich. Armin Klein unternahm im Kanu auf den Grenzflüssen und auf ausgedehnten Wanderungen durch das Grenzland eine fotografische Entdeckungsreise.
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Foto: Armin Klein
Das Ergebnis dieser Spurensuchen sind über 200 fotografisch festgehaltene Hütten, wobei der Künstler 40 für eine eigene Edition „An der Grenze (Thoreau's neighbourhood)“ ausgewählt hat und davon 21 Arbeiten in der Stadtturmgalerie zeigt. Am Beginn dieses Projektes stand die Faszination der zufällig entdeckten Bauten. Armin Klein verarbeitete seine Eindrücke erstmals in seiner künstlerischen Arbeitsweise konzeptuell als reines Fotoprojekt.
Der Künstler verweist im Titel auf den amerikanischen Autor Henry David Thoreau, der 1845 eine selbstgebaute Hütte bezog um darin zwei Jahre lang selbständig und unabhängig zu leben und das Buch „Walden. Oder das Leben in den Wäldern“ (Walden; or Life in the Woods) zu schreiben.
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Foto: Armin Klein
Der Schriftsteller Martin Kubaczek begleite Armin Klein auf seiner Entdeckungsreise durch das Grenzgebiet und beschreibt seine Eindrücke: „Zwischen Wildnis und Zivilisation sind die Hütten am Fluss Vorposten und Außenstellen. Sie sind Späher in der Grenzzone. Nach Bachelards „Poetik im Raum“ sind sie Metaphern für das Individuelle; als Hütten aber ohne den rationalen Überbau (Dachstuhl) oder Keller (Es/Triebhaftigkeit). Sie sind Ich-Organe in ihrer schlichtesten Form: Als Baumarkt-Fertigteil-Gartenhaus mit Pelargonien und einem Stück Rasen, Schauferl und Beserl unterm Vordach bieten sie Ordnung im Chaos der Natur, versuchen Kontrolle so weit es möglich ist, sehen durch ihre Fenster Augen in die Wildnis hinaus. […] Von beiden Ufern aus blicken sie auf das Wasser, kehren dem Hinterland den Rücken zu, blicken auch über das Wasser hinweg. Sie stehen an der Grenze, blicken über die Grenze hinein ins andere Land. Was sehen sie dort?“
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Foto: Armin Klein
Armin Klein zeichnet ein Portrait einer Region, die trotz unterschiedlicher politischer, sozialer und kultureller Entwicklungen gerade in diesen Hütten viel Gemeinsames erkennen lässt. Es sind keine großen Unterschiede in der Bauweise zu erkennen, die Hütten scheinen vielmehr ein Spiegel wirtschaftlicher und sozialer Möglichkeiten der individuellen Erbauer zu sein. Trotz der Verwendung von simplen, vorgefundenen Materialen und den meist begrenzten Mitteln der Erbauer fallen die Individualität der Gebäude und der Gestaltungswille auf. Die Hüllen lassen nur erahnen, was sich dahinter verbirgt.
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Foto: Armin Klein
Als scharfsinniger Beobachter setzt sich der Künstler mit dem Ort und den vorgefunden Strukturen auseinander. Sein fotografischer Blick eröffnet den Raum für eine Art Bestandsaufnahme. Gerade das Mittel der fotografischen Serie erlaubt es bestimmte Aspekte und Themen zu umkreisen und Dinge zu offenbaren. Den Fotografien ist eine Distanz eingeschrieben. Der Künstler nimmt im fotografischen Akt fiktiv die Position des unbeteiligten Beobachters ein, der scheinbar einfach wiedergibt.
An einer Wand hat Armin Klein die Wildnis des Auwaldes als Grafik mit in die Ausstellung hineingenommen. Von der Malerei her kommend nähert er sich der digitalen Fotografie und findet dabei einen freien, sinnlichen Zugang, der ihm erlaubt das Medium als Ausgangspunkt für seinen fotografischen Blick zu verwenden. Durch die Reduktion der Farbwerte des Hintergrunds und des Umfelds auf Schwarz/Weiß wirken die Fotografien wie Collagen. Das Motiv wird aus seinem unmittelbaren räumlichen und zeitlichen Kontext isoliert und gleichzeitig wird die rätselhafte Schönheit und geheimnisvolle Ruhe der Orte enthüllt. Cornelia Reinisch
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Foto: Tiroler Künstlerschaft
Auszüge aus March. Gedicht von Martin Kubaczek:

[…]
Und die da drüben
lachen und winken
mit grünen Flaschen

[…]
Was braucht der Mensch?
eine Hütte am Fluss, ein wenig Stroh
und ein Hemd

[…]
Die Grenze ist
ein Ort der Begegnung
getrennt und berührt

Fremd und vertraut
im hinüber Sehen, die Grenze
ist zwischen dir und mir.
Lange Nacht der Museen 2008 in Tirol
Am Samstag, 04. Oktober von 18.00 – 22.00: PERFORMANCE von Armin Klein
Dem Beispiel des amerikanischen Autors Henry David Thoreau folgend, will der Künstler im Innenhof der Galerie eine Hütte errichten. Es werden gebrauchte Materialien bzw. Abfälle verwendet, die in den letzten Jahren im Ausstellungsbetrieb der Tiroler Künstlerschaft angefallen sind. Armin Klein freut sich auf die Mithilfe des Publikums!