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SIDESHOW BOB

10.09.2015 - 24.10.2015

Georg Petermichl

Neue Öffnungszeiten: Mi - Fr 11.00 - 17.00; Sa 11.00 - 15.00

„Sideshow Bob“ zählt zu den bekanntesten und intelligentesten Nebencharakteren der US-amerikanischen Zeichentrickserie „Die Simpsons“. Sein Wesen zeichnet sich vor allem durch das Bestreben aus, die Rolle eines Nebendarstellers hinter sich zu lassen und selbst im Mittelpunkt stehen zu wollen.[1] Vor allem ihr Trachten nach Anerkennung und die Tatsache, dass Nebencharaktere eine Serie bzw. die darin vorkommenden Hauptfiguren erst richtig greifbar und interessant machen, haben Georg Petermichl dazu bewegt, seine Ausstellung SIDESHOW BOB zu benennen.

In Hinblick auf den zeitgenössischen Kunstbetrieb sind es Nebenfiguren wie unter anderem AusstellungsfotografInnen, kuratorische bzw. künstlerische AssistentInnen und Aufbauhilfen, die maßgeblich zur Enderscheinung einer künstlerischen Arbeit beitragen. Als Künstler, der sich ein zweites Standbein in der angewandten Fotografie im Ausstellungs- und Reprobereich aufgebaut hat, ist Georg Petermichl diese Position sehr vertraut. Sie dient als Ausgangspunkt dieser Ausstellung.
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Angewandte Fotografie widmet sich im Allgemeinen der fotografischen Darstellung von Gemälden, Kunstobjekten, Skulpturen oder KünstlerInnen bei der Arbeit und wird vornehmlich für dokumentarische Zwecke eingesetzt. Bei dieser Tätigkeit nehmen die FotografInnen eine essentielle Rolle ein: Ihre Arbeit schafft die visuelle Grundlage der kunsthistorischen Rezeption und ermöglicht die weltweite digitale Verbreitung via Internet. Allen, die ein Kunstwerk nicht im Original betrachten können, bleibt ausschließlich die Perspektive der FotografInnen. Ihr individueller Blickwinkel ist es, der die Beschaffenheit des Werkes bzw. die Architektur des Raumes festmacht.

In SIDESHOW BOB definiert Georg Petermichl die fotografische Hauptachse der Neuen Galerie mit farbenprächtigen und wandfüllenden Arbeiten, die auf den ersten Blick wie moderne Wandmalereien wirken. Erst bei näherer Betrachtung lässt die Beschaffenheit der Oberfläche auf die eigentliche Materialität der Werke schließen: Tatsächlich handelt es sich um kalandrierte und im Anschluss daran laminierte PVC Folien.
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Ausstellungsansicht. Foto: WEST. Fotostudio
Das eingefärbte Formenvokabular der raumgreifenden Wandinstallationen im ersten und dritten Raum ermöglicht den BesucherInnen eine sinnliche Wahrnehmung der Herangehensweise eines Fotografen bzw. einer Fotografin, um „Mängel“ von abzubildenden Räumlichkeiten wie etwa eine schlechte Beleuchtung oder inkorrekte Farbtendenzen digital zu kompensieren. So haben unter anderem die Quelle des Lichtes, aber auch alle umgebenden Flächen Einfluss auf die Farbigkeit einer Oberfläche. Licht wird absorbiert bzw. reflektiert, was zu Einfärbungen der Wand führt.
Die Komposition von Farbe, Form, Verlauf und Linie der geometrischen Wandabstraktionen in der Neuen Galerie entstand durch das Zusammenfügen von Alphakanal-Masken, die der Künstler bei früheren Bildbearbeitungen im Computerprogramm „Photoshop“ erstellt hat. Die nüchterne Farbgebung des ersten Raumes mit ihren unterschiedlichen Grauschattierungen steht dabei den pastelligen bis poppigen Farbmasken des hinteren Raumes, die von rosa, blauen und grünen Tönen dominiert werden, gegenüber.
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Ausstellungsansicht. Foto: WEST. Fotostudio
Im mittleren Raum spielt Georg Petermichl mit dem eben beschriebenen Prozess der Absorption bzw. Reflexion von Licht: Er dokumentiert durch das vorherige Abfotografieren der nun mit Folien verkleideten Wände die im Raum vorhandenen Farbstiche. Durch die Intensivierung dieser Kolorierungen entstehen imposante Farbspiele, die an impressionistische Gemälde der Pleinairmalerei , wie sie uns von Malern der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wie Claude Monet vertraut sind, erinnern. Der Künstler verzichtet hier bewusst auf die Abdunkelung des Raumes. Die Lichtfarbe des künstlichen Lichts trifft dadurch direkt auf die natürlichen und von außen hereintretenden Lichtstrahlen.

Die Architektur der Neuen Galerie wird durch diese raumüber- bzw. raumergreifende Installation aus den empirischen Blickwinkeln eines Ausstellungsfotografen bzw. einer Ausstellungsfotografin erfasst.
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Ausstellungsansicht. Foto: WEST. Fotostudio
Die Wandarbeiten erfüllen darüber hinaus einen weiteren Zweck: Sie dienen Georg Petermichl zudem als Hintergrund bzw. Präsentationsfläche seiner klassisch zusammengestellten Fotoarbeiten, die als Ausstellung in der Ausstellung funktionieren. Viele der hier gezeigten Exponate knüpfen im weitesten Sinne an die „Appropriation Art“[2] an. Über die Form der Aneignung untersucht der Künstler die divergierenden Pole von Amateur- und Profifotografie: Dabei zeigen sich Nuancen des persönlichen Ausdrucks nicht nur in Familienportraits und Urlaubsfotos, sondern auch in den Feldern der Akt- und Reprofotografie. Georg Petermichls Appropriationen sind dabei sowohl als kritische Auseinandersetzung im Sinne einer Kompromittierung als auch als Ausdruck besonderer Wertschätzung zu lesen.

So schenkt der Künstler den Sonnenaufgängen, die er in den Fotoalben seiner Eltern entdeckt und daraus abfotografiert hat, großen Respekt und Hochachtung. Die ursprünglich für den privaten Gebrauch gedachten Fotos werden in den öffentlichen Raum „exportiert“ und verleihen dieser Ausstellung einen sehr persönlichen und intimen Charakter. Die Bildkompositionen der im Urlaub eingefangenen Momente wirken auf den Künstler mit ihrem Zusammenspiel von bewusst Konstruiertem und Zufall in uneingeschränktem Maße vollkommen.
Diesen Stimmungsbildern stellt Georg Petermichl seinen eigenen Sonnenuntergang zur Seite. Fünf Aufnahmen dieses Unterfangens, die den Titel „Good Night (Washington, D.C.)“ tragen, stehen nun in der Neuen Galerie zur Auswahl: Die Entscheidung, welches der Fotos „den (subjektiv empfundenen) perfekten Moment“ darstellt, obliegt den BesucherInnen.
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Ausstellungsansicht. Foto: WEST. Fotostudio
Auf einer weiteren Wand sind zwei Aktfotos zu sehen. Ein Mann und eine Frau liegen nackt, eingebettet in eine mäßig attraktiv wirkende Landschaft, auf den Motorhauben von mäßig ansprechenden Fahrzeugen der Mittelklasse. – Die Aktbilder stellen einen weiteren Versuch von Georg Petermichl dar, sich der „Laienfotografie“ zu nähern. Dieses Mal offenbart sich das appropriierende Verfahren als Auseinandersetzung mit den oft idealisierten und manierierten Darstellungen in der Amateurfotografie und den Grenzen ihrer Ressourcen.

In einem starken Kontrast dazu steht die Schwarz-Weiß-Fotoserie, auf der Vasen abgelichtet sind. Im ersten Moment wirken die Abbildungen wie Auszüge eines Kataloges für archäologische Funde. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um vom Künstler angefertigte „Nachbildungen“ antiker Behältnisse aus Griechenland und Marokko. Durch den Abdruck eines Schlüsselbundes werden sie als zeitgenössische Reproduktionen markiert und wirken als wären sie von der heutigen Welt in Beschlag genommen worden.
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Ausstellungsansicht. Foto: WEST. Fotostudio
Abschließend korrespondiert die Arbeit „Universal Thoughts (Brighton)“ mit der Architektur der Neuen Galerie. In ihr findet die Raumflucht eine optische Weiterführung.

SIDESHOW BOB von Georg Petermichl in der Neuen Galerie erzeugt einerseits einen Déjà-vu-Effekt, andererseits stellt die Schau die BesucherInnen vor die Herausforderung, in die Rolle des Ausstellungsfotografen zu schlüpfen und dadurch seine Welt kennen zu lernen. Das Gefühl entsteht, von Bildern umgeben zu sein, die Alltägliches und Bekanntes suggerieren und deren Vokabular uns vertraut ist. Erst bei genauerer Betrachtung werden die feinen Unterschiede zu uns gewohnten Darstellungen sichtbar.
Im Mittelpunkt steht das Aufspüren und Festhalten von Momenten alltäglicher Wahrnehmung. Appropriation wird vom Künstler als Strategie eingesetzt, die sich gegen die Idee eines Kunstwerkes als einmaliger Ausdruck eines autonomen Subjekts richtet und stattdessen Kunst als gesellschaftlich, historisch und kulturell bedingt betrachtet.
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Ausstellungsansicht. Foto: WEST. Fotostudio
[1] Sideshow Bob fungierte ursprünglich als Co-Moderator der Krusty-Show. Durch Unaufrichtigkeiten und Intrigen versuchte er, den Clown zu stürzen. Er wurde jedoch von Bart Simpson gestellt. Seitdem trachtet Sideshow Bob vergebens nach seinem Leben.
[2] Diese Kunstgattung trat verstärkt in den 80er Jahren durch KünstlerInnen wie Richard Prince, Barbara Kruger oder Cindy Shermann in Erscheinung. Durch das Verfahren der „Aneignung“ wurden essentielle Kategorien der Bildenden Kunst wie AutorInnenschaft, Museumsraum, Originalität und Kreativität thematisiert und in Frage gestellt. In weiterer Folge wurden vorhandene Bilder aus ihren ursprünglichen Kontexten (Werbung/Medien) herausgelöst und deren Bedeutung neu kodiert. Vgl. Isabelle Graw: Die bessere Hälfte – Künstlerinnen des 20. und 21. Jahrhunderts, Dumont Kunstverlag, Köln 2003.


Lara Fritz
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Ausstellungsansicht. Foto: WEST. Fotostudio
Georg Petermichl, geboren 1980 in Linz, studierte Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien und Fotografie bei Eva Schlegel und Matthias Herrmann an der Akademie der bildenden Künste in Wien.
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Ausstellungsansicht. Foto: Georg Petermichl
Dank an: Martin Reinisch STOlogoneuhomepageneu.jpg, Skill Webetechnik


Eröffnung: Mittwoch, 09.09.2015 um 19.00
Lange Nacht der Museen: Samstag, 03.10.2015 von 18.00-01.00; The „I“ of the Brainstorm 19.00 – Gespräch zwischen Georg Petermichl und Neurologe Ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Benke, Medizinische Universität Innsbruck, Kunstauskunft von 18.00-01.00
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Ausstellungsansicht. Foto: WEST. Fotostudio

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Ausstellungsansicht. Foto: Georg Petermichl