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What Some Girls Do For Money

21.11.2015 - 02.01.2016

Swetlana Heger, Susi Jirkuff, Sabine Marte, Ursula Mayer, Karina Nimmerfall, Viktoria Tremmel

What Some Girls Do for Money lotet die Tiefen zwischen medial produzierter Phantasie und Alltagsrealität aus, die der Titel andeutet. Dabei dient What Some Girls Do for Money als eine Art Slogan, der eine Vielfalt an Möglichkeiten und Deutungen zulässt.

An der Oberfläche spielt What Some Girls Do for Money auf die aufgesetzte Empörung diverser Boulevardzeitungen an, die voyeuristischen Bildern erst so richtig Raum geben. Das Begehren nach Luxus, Eleganz und Wohlstand, das mit diesen Phantasien erweckt wird, korreliert dabei mit dem Begehren nach einem besseren Leben, das die 'Girls' möglicherweise antreibt.
Der Wunsch nach Ausbruch aus vorgezeichneten Biographien, nach Überwindung von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen oder bestimmten Künstler(innen)klischees als auch die Hingabe an Hedonismus sind radikale Konzepte, die zwar als mediale Aufforderungen allgegenwärtig sind, aber keinesfalls ohne Widerstand zu verwirklichen sind.

Der weitere, lapidare und pragmatische Aspekt auf den der Titel verweist, ist die Ebene von konkreten Arbeitsbedingungen: Drecksarbeit, Routine, Plackerei, Jobben. Auch hier ist das Klischee – selbst wenn es oft im dokumentarischen Format übersetzt ist – eine Projektion, die hinterfragt werden will.
Letztendlich ist auch die Referenz auf das eigene künstlerische Arbeiten im Kontext mit eingeschlossen. Einerseits als ironischer Kommentar zur eigenen Arbeitssituation, in der oft „gejobbt“ wird, um die künstlerische Arbeit zu ermöglichen, andererseits als Aspekt der paradoxen Ambivalenz von Kunst und Geld, Arbeit und Marktwert.

Im Rahmen der Ausstellung werden verschiedene künstlerische Ansätze und Konzepte von sechs Künstlerinnen vorgestellt. Die oft sehr unterschiedlichen Herangehensweisen und Anknüpfungspunkte spannen sich dabei von der Analyse des künstlerischen Umfelds und dessen ökonomischen Strukturen, über Untersuchungen zur Macht der Medien und Bildern des Luxuriösen und Eleganten bis hin zu den Mechanismen der Skandalisierung und den Niederungen des Trash.
Die Bezüge zwischen den Arbeiten werden durch die spezielle Gestaltung der Ausstellung als installative, bühnenartige Situation gezielt forciert, um mögliche Verbindungen und Querverweise offen zu legen und eine Kontextualisierung in Bezug auf den Titel herzustellen.
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Swetlana Heger
The Most Beautiful Women (in the Art World), #1 Dasha
Collage, Größe variabel, 2015-ongoing

Die Arbeit von Swetlana Heger untersucht die Präsentation von zeitgenössischer Kunst im Kontext von Kunstmessen und Biennale-Events.
Dass die Prinzipien des freien Markts vor allem in der Kunst Beziehungen zwischen KünstlerInnen und KäuferInnen ohne Regulierung und Rechtssicherheit gestalten, ist zwar eine offene Tatsache, im Zuge der Globalisierung treiben Auswüchse dieser Entwicklung allerdings immer skurrilere Blüten.
So ist neben einem breiten KünstlerInnen-Prekariat aus sich selbst ausbeutenden ProduzentInnen ein flottes Jetset-Publikum herangewachsen, das sich auf Biennale-Partys und Art Basel Events überlegt, für welche Arbeit es rasch mehrere Tausende Dollar hinlegt. Wie schon Isabelle Graw in ihrem 2008 erschienen Buch 'Der große Preis' beschrieben hat, dient die Kunst nun vor allem als Plattform für eine Celebrity-Kultur, die den Künstler/die Künstlerin zum Kuscheltier der OligarchInnen macht.

Hegers Arbeit streift dabei die Paradoxien vom Kunst-Machen und Kunst-Vermarkten, die generelle Verortung von Kunst in der Gesellschaft und die Rollen, die KünstlerInnen dabei angeboten werden.
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Ausstellungsansicht. Foto: WEST. Fotostudio
Susi Jirkuff
Ginny, HD Video, 5 Minuten, 2015
Gracie, HD Video, 6 Minuten, 2015

Susi Jirkuff zeigt zwei neue Videoarbeiten, die aus der Auseinandersetzung mit wirtschaftlichen Entwicklungen und Stadtraum entstanden sind. Zwei fiktive Mädchenfiguren werden in einem jeweils stark räumlich akzentuierten Setting vorgestellt: Ginny, die mit anderen eine Katze mehrmals aus einem Hochhaus hinuntergeworfen hat und für 5 Pfund auch noch eine Kamera beisteuert, um das zu filmen, und Gracie, die als Berufswunsch Modebloggerin angibt, aber nicht weiß, ob sie am Ende des Monats noch Strom für den Computer hat.
Beide sind Kinder eines neuen Prekariats, das im Zuge von neoliberaler Wirtschaftspolitik immer weiter zurückfällt und für das keinerlei Aufstiegschancen mehr gewährleistet werden.
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Ausstellungsansicht. Foto: WEST. Fotostudio
Sabine Marte
Farewell to Hell, Video, 2015

Sabine Marte arbeitet hauptsächlich mit Performance, Video und Sound, so auch in ihrer jüngsten Videoarbeit Farewell to Hell. Raum und Körper knallen aufeinander, Rhythmus und Stimme erzeugen einen hypnotischen Ort, in dessen psychotische und surreale Welten man hineingesaugt wird.
Vibration und Bewegung machen den Film körperlich erlebbar, der Film selbst wird zur Performerin auf der Bühne.
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Ausstellungsansicht. Foto: WEST. Fotostudio
Ursula Mayer
The Unbegotten: Anti-species, Conceptual flesh, Dying without Death
Serie gerahmter Farbfotografien, 2013

Die Fotoedition The Unbegotten wurde anlässlich der Einzelausstellung BUT WE LOVED HER von Ursula Mayer für das 21er Haus in Wien geschaffen. Das Transgender-Model Valentijn de Hingh und Musiker JD Samson treffen in einer Skulptur von Bruno Gironcoli aufeinander. Die androgynen, metallisch anmutenden Körper fügen sich in die Skulptur Gironcolis ein und verschmelzen mit ihr.
Die Schönheit und die perfekten Oberflächen lassen an die filmische Opulenz von Hollywoodfilmen der 30er Jahre denken, in der fotografischen Inszenierung liegt aber weniger eine Überhöhung als vielmehr ein sehr greifbarer Zugang zu Material und Skulpturalem sowie einer Re-Präsentation von Körpern und Geschlechterbildern, die zwischen Erstarrung und Lebendigkeit changieren.
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Ausstellungsansicht. Foto: WEST. Fotostudio
Karina Nimmerfall
Life as an Art Form, Installation, 2015

In den städtischen Metropolen entstehen heute weltweit Wohnprojekte, die mit Verweis auf „modernes Wohnen” vor allem eine Rückkehr zur bürgerlichen Wohnkultur aufweisen. Interessant dabei ist, dass neben adaptierter Konzepte der Moderne – wie etwa Licht und Luft durch große Glasfassaden bzw. offene Raumgestaltung – vor allem die stilistische Formensprache des 18. Jahrhunderts aufgegriffen wird: Luxus liegt (wieder) im (historisierenden) Detail.
Ausgangspunkt des Projekts Life as an Art Form (der Titel zitiert einen Werbeslogan einer Immobilienfirma) bildet die Auseinandersetzung mit Visualisierungen und Imagefilmen der Immobilienbranche in Bezug auf (weibliche) Rollenbilder als auch zeitgenössische Idealvorstellungen zum Thema Wohnen.

Das in ein 3-dimensionales Wandtableaux eingefügte computergenerierte Interieur besteht aus einer Zusammensetzung an gängigen Ausstattungsdetails diverser (Luxus-)Immobilienportfolios, die jedoch im Detail – und für die BetrachterInnen erst auf den zweiten Blick – subversiv unterwandert werden: So enthüllt die Ikonographie diverser Ausstattungsdetails Spuren der Geschichte politisch engagierter Frauen und der (radikalen) Frauenbewegung.
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Ausstellungsansicht. Foto: WEST. Fotostudio
Viktoria Tremmel
Ohne Titel, Serie von Collagen, 2015

Viktoria Tremmel zeigt eine Auswahl an Collagen, die mehr verbergen als sie preisgeben. Die malerisch anmutenden Arbeiten spiegeln eher innere Zustände als konkrete Narrationen. Bildausschnitte, Überlagerung, Verdecken und Freilegen erzeugen Mikrodramen innerhalb der Fläche des Bildes. Als Serie offenbaren sie dann aber doch eine poetische Lesbarkeit, wenn auch gebrochen und traumhaft, in der sich eine intime Parallelwelt konstruieren lässt. Den fragmentierten Körperbildern stellt sie eine kolorierte Fotoarbeit, die eine seltsam verpackte, pfeilerartige Skulptur in einem Wald zeigt, und ein torsoähnliches Objekt an dem Spindeln mittels Feinstrumpfhosen befestigt sind, gegenüber.
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Ausstellungsansicht. Foto: WEST. Fotostudio

Svetlana Heger, *1968 in Brünn (CZ), lebt in Berlin, Bregenz und Umeå
Susi Jirkuff, *1966 in Linz (A), lebt in Wien
Sabine Marte, *1967 in Feldkirch (A), lebt in Wien
Ursula Mayer, *1970 in Österreich, lebt in London
Karina Nimmerfall, *1971 in Deggendorf (D), lebt in Berlin
Viktoria Tremmel, *1972 in Lauterach (A), lebt Wien

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Eröffnung: Freitag, 20.11.2015 um 19.00
Musikperformance von "Pendler" im Rahmen der Eröffnung (http://pendler.klingt.org)
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Ausstellungsansicht. Foto: WEST. Fotostudio