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Liquid/Havanna (autoassistente)

18.09.2015 - 31.10.2015

Ulla Bergens/Peer Cryog, Lander Burton, Sebastian Dacey, Michael Dobrindt, Daniel Domig, Sibylla Dumke, Markus Hahn, Jitka Hanzlová, Björn Kämmerer, Luisa Kasalicky, Tony Sunder, Alexi Tsioris, Anna Zwingl
Organisiert von Michael Dobrindt und Markus Hahn



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Ich fuhr mit meinem ActivHybrid Imperialblau Brillanteffekt und geilen 19er Turbinen-Styling Felgen 4 8 7 Bicolor Ferricgrey glanzgedreht zu Burger King. Ich parkte direkt vor`m Eingang. Dann ging ich rein. Ich bestellte mir einen Honey Cayenne WHOPPER mit extra viel Bacon, 6 Chili Cheese Nuggets, mittlere KING Pommes und eine 0,4 Cola im Angebot für 7,49! Auf meinem Tisch war eine Anordnung von Ketchup-Majo und irgendwelchen Dip-Schlieren! “Soßengalaxy, yo!”, sagte ich zu mir. “Halb angetrocknet”, dachte ich. Irgendwie war ich schnell fertig mit meinem Honey WHOPPER. “Ich hab irgendwie noch Bock auf was”, dachte ich. An der Kasse war dann dieses Mal irgend so`n gleichgültig wirkender Typ, dem ich meine Sparscheine in die Hand drückte. “Off-Modus - verstehe”, dachte ich. Ich sagte: ”Einen Western Style WHOPPER mit 6 Chili Cheese Nuggets, mittlere KING Pommes und`ne 0,4 Cola!”. “7,99!” “Ach ja, und`n X-Cream Sundae Oreo!”. “9,78!” Ich hab´s mir reingedrückt.

Dann fuhr ich nach Hause. Mein waberndes Ich hatte irgendwie noch voll Bock auf`n Paar Ballerspiele. Ich spielte Counter Strike. Irgendwann hatte ich ganz undramatisch meine eigene Leidenschaft als Desertion verstanden. Ich konzipierte mein zweites Ich, yo. Endlich! Ich kontrollierte den Geschehensablauf. Spezialisieren, Rätsel lösen, strategisch denken und vieles mehr! Yo! “Ich kontrolliere die Funktionsabläufe, aber alles bleibt irgendwie bedeutungsleer”, dachte ich. Ich stand unter Druck. Ich musste überlegen. Ich rief meinen funktionalen Stellvertreter auf. Dann eignete ich mir Fähigkeiten an für die erwünschte Umgebung. „Konzentration, yo!“, sagte ich zu mir. Ich warf mir noch`n Paar Pillen ein und fuhr später auf so`ne Techno Party. Ich trank Vodka-Bull und war irgendwie voll angeturnt, oder so!

Ich wachte auf. Irgendwie. Keine Ahnung. Ich lag einfach da – einfach so - in stabiler Seitenlage. Total benommen. Um mich herum alles vollgestopft mit unbeweglicher Gegenstandmasse – nicht identifizierbare Objekte. Jedes nahm seinen Platz ein und jedes seinen Befehl. Es verging eine Weile. Dann richtete ich mich langsam auf. Vakuum. Ich saß müde herum. Ich schluckte noch ein Paar Pillen. „Dann geht`s wieder“, dachte ich. Ich versuchte meinen funktionalen Vertreter heraufzubeschwören. Durch und durch bewegte ich mich in Pose zum synchron laufenden Bild. Es war mein Repräsentant – mein Stellvertreter. Durch dieses bin ich, dachte ich. „Voll da“, sagte ich mir. Ich war synchronisiert mit meinem Bild über mich. „Das macht den ganzen Unterschied! Ja, das macht den ganzen Unterschied denke ich“, sagte ich mir. Dann drehte ich mich langsam um und streichelte mein Haar zurecht.

Ich war motiviert. Ich fühlte mich gut. Ich fühlte, ich war qualifiziert. Ich nahm die meinem neuen Status angemessene Haltung totaler Gleichgültigkeit ein, was eine starke Attraktivität bewirken kann.
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Den Text Untitled (Interior) von Tony Sunder finden Sie hier.
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Tony Sunder, Titelseite des Textes Untitled (Interior)

Michael Dobrindt und Markus Hahn – beide sind in den klassischen abbildenden Verfahren der Malerei und Bildhauerei ausgebildet – hegen Misstrauen gegenüber der „monolithischen“ Präsentation singulärer künstlerischer Arbeiten. Sie haben in den vergangenen Jahren – unter anderem gemeinsam mit Anna Zwingl – unter verschiedenen Namen wie Sweat Room, Magicgruppe Kulturobjekt, die Arbeit des Materials, villa offdeutschland, flagship poly-vip usw. eine "kollektive" Arbeitsweise entwickelt, die dem Zusammenführen verschiedener skulpturaler Handlungen und Materialien unterschiedlicher Kontexte verbunden ist.

Auch der Kunstpavillon wird mit einem Ensemble an Dingen, Kunstwerken, Alltagsgegenständen, Fundstücken aus dem Keller der Galerie, schicken BMW-Alufelgen, Texten - in Buchform oder von den TeilnehmerInnen selbst oder von computergenerierten Stimmen eingelesen – angereichert. Anna Zwingl, Markus Hahn und Michael Dobrindt sprechen von Aneignung und vom Versuch der Herstellung einer Ordnungsform und haben in situ formgebende Entscheidungen getroffen, die Leserichtung des Raumes ausgelotet. Dialoge entstanden indem die unterschiedlichen Komponenten in Verhältnis zueinander gesetzt wurden. Überlappungen und Gleichzeitigkeit überstrahlen singuläre Bedeutungen.

Diese Seite der Homepage der Tiroler Künstlerschaft macht deutlich, dass sie als Teil des Raumes wahrgenommen wird. Neben dem als Audiofile abrufbaren Manifest findet sich ein ausgesprochen populärer Alltagsbericht eines vermutlich männlichen, nicht näher definierten Ich-Erzählers darauf, in dem es um Autos, Fastfood, Techno und Drogen geht. Zudem können hier eine Vielzahl von youtube-Links abgerufen werden: beleuchtete BMW-Felgen, „Amazing Places on our Planet“ – eine mittelalterliche Höhlenkirche in Äthiopien, ein Interview über das Buch „The Words of the Father“ mit dem Psychotherapeuten J.L. Moreno aus 1963, ein Freestyle Dance in Plastikbadeschlappen, „World's Most Bizarre Cows“ – über eine extrem bemuskelte belgische Rinderrasse, aber auch eine 4:20 Minuten dauernde Diashow mit Werken von Ernst Ludwig Kirchner unterlegt mit pathetischem, an kommerzielle Filmmusik erinnernden Sound. Weiter geht es mit einem Trailer zu dem Film „9 to 5: Days in Porn“ aus 2008 und einem Interview mit dem Soziologen Hartmut Rosa, der über die „Entfesselung der Technik“ spricht und konstatiert, dass wir immer wieder auf die Versprechen der Technik, die sich oft verselbständigt, hineinfallen. Bei jeder neuen Errungenschaft – seien es Computer oder Mobiltelefone – herrsche zuerst Skepsis vor. Nach dem „Sündenfall“ glauben wir, dass wir die Technik souverän nutzen können und an die Erweiterung unseres Erfahrungshorizontes, bis wir zu ihren Sklaven werden und gleichzeitig telefonieren, auf Facebook sind und 17 weitere Homepages geöffnet haben.

So wird auch der Raum des Kunstpavillons verwendet: als wären auf drei Bildschirmen gleichzeitig unzählige Tags geöffnet, die scheinbar in keinem Sinnzusammenhang zueinander stehen. Bei näherer Betrachtung gibt es jedoch zwei Erzählstränge, die nur vermeintlich nichts miteinander zu tun haben: die hightech, highend Produktionswelt von BMW mit ihren vollautomatischen Produktionsstraßen, dem ausgeklügelten Zubehör und dem perfekten Marketing, das sogar für die Farben der Speziallackierungen die poetischsten Namen ersinnt, dass sofort Wunschvorstellungen evoziert werden, und das Interesse an aktueller Kunstproduktion mit Fokus auf die Malerei, in der ähnliche Mechanismen an Projektion von Begehrlichkeit virulent sind. Klassische malerische Fragestellungen nach Bildfindung und –aufbau werden mit anderen Produktionsabläufen verglichen. Ist das „Wissen der malenden Hand“ nicht auch ein automatisierter Prozess, ein spezieller, mitunter tranceartiger Zustand?

Beispielsweise sieht Tony Sunder Textproduktion als Erweiterung seiner Malerei. In seinem Text beschreibt er Bildkonstruktion und die Arbeitsbedingungen am TV-Filmset. Daniel Domigs Hinterglasmalerei mit ihrer spiegelnden, leicht matten Oberfläche erinnert an einen Bildschirm. Anna Zwingl übersetzt Bewegungen, die auf Touchscreens gemacht werden, in den Raum und sampelt an Kalligraphie erinnernde Aquarelle mit Photoshoptools. Aus Luisa Kasalickys Gouache scheinen uns Comicaugen anzublicken und wie eine Nebenbemerkung ist in den linken unteren Bildrand in Rot der Duktus eines breiten Pinsels eingeschrieben. Auch auf dem in unmittelbarer Nähe befindlichen Bild auf einem Spiegel von Dobrindt und Hahn ruft ein einziger Produktionsschritt, ein weniger als 10% der Fläche ausmachender gestischer Hieb mit der Malspachtel, „Malerei“ ab.

Fragen der Rationalisierung, (Selbst)Optimierung und Automatisierung stehen der Überfülle an Möglichkeiten gegenüber. Zum Glück gibt es das Werbevideo für die HAPIfork, eine vibrierende Gabel, die uns trotz des Überangebotes an Eindrücken und Dingen davon abhält zu schnell zu essen.

Ingeborg Erhart
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OUT NOW:
tEXTE
Ulla Bergens / Peer Cryog
Hrsg: Michael Dobrindt, Markus Hahn
73 Seiten, 2015
erscheint anlässlich der Ausstellung
Youtube Video anschauen: BMW with lighted rims

Youtube Video anschauen: Rock-Hewn Churches of Lalibela, Ethiopia in HD

Youtube Video anschauen: JL Moreno "Words of the Father" partial
Youtube Video anschauen: Look like you Afro-Remix. (Freestyle dance)
Youtube Video anschauen: WORLD'S MOST BIZARRE COWS
Youtube Video anschauen: Motorrad Burnout Fireburnout Amazing
Youtube Video anschauen: 9 to 5: Days in Porn (2008) Red Band Trailer

Youtube Video anschauen: Capital in the Twenty-First Century
Youtube Video anschauen: Reading Buchloh
Youtube Video anschauen: Minecraft Destruction (#003): [Deutsch] [HD] - Die Hochstapler am Werk
Youtube Video anschauen: Tron -light Bike
Youtube Video anschauen: Hartmut Rosa: Surfer und Drifter

Youtube Video anschauen: HAPIfork Presentation Video (Kickstarter v2)
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Dank an: BMW Denzel & Unterberger Unterberger_Denzel.jpg
und an Martin Reinisch, STOlogoneuhomepageneu.jpg



Eröffnung: Donnerstag, 17.09.2015 um 19.00
Lange Nacht der Museen: Samstag, 03.10.2015 von 18.00 - 01.00; Dialogführung um 20.00, Kunstauskunft von 18.00-01.00